This page is not available in English. You are viewing the German version.
Warum scheitern 70 % der Digitalisierungsprojekte?
wissen

Warum scheitern 70 % der Digitalisierungsprojekte?

Die 5 größten Fehler bei Digitalisierungsprojekten

SP

Sinikka Piesche

29.07.2026 (letzte Änderung: 24.08.2026)

Von außen wirken Digitalisierungsprojekte oft wie Erfolgsgeschichten: neue Apps, moderne ERP-Systeme, KI-Initiativen und Millioneninvestitionen in Cloud-Technologien. Doch hinter den Kulissen sieht die Realität häufig anders aus. Zahlreiche Studien zeigen, dass die Mehrheit der Transformationsvorhaben ihre Ziele verfehlt.

Die große Digitalisierungsillusion

Unternehmen investieren weltweit Milliarden in digitale Transformationen. Trotzdem bleiben viele Vorhaben hinter den Erwartungen zurück. McKinsey verweist seit Jahren darauf, dass rund 70 Prozent aller Transformationsprogramme scheitern oder ihre Ziele nicht erreichen. Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Untersuchung der Boston Consulting Group (BCG), dass nur etwa 30 Prozent großer Technologieprogramme Zeit-, Budget- und Leistungsziele vollständig erfüllen. [mckinsey.com], [bcg.com]

Das bedeutet: Die technologische Umsetzung ist oft nicht das Problem. Vielmehr scheitern Unternehmen an Management, Kultur und mangelnder Veränderungsbereitschaft.

Ben am Laptop im Meeting Room

Fehler Nummer 1: Mit der Software anfangen

Viele Organisationen beginnen ihre Digitalisierung mit der Frage: "Welche Software brauchen wir?". Die eigentliche Frage müsste jedoch lauten: Welches Geschäftsproblem soll gelöst werden?

Stattdessen werden KI-Lösungen, Cloud-Plattformen oder Automatisierungstools eingeführt, ohne Prozesse grundlegend zu hinterfragen. Dadurch werden häufig ineffiziente Abläufe lediglich digitalisiert und nicht verbessert.

Der Effekt: Unternehmen besitzen modernste Technologien, arbeiten aber weiterhin nach alten Denkmustern.

Fehler Nummer 2: Alte Prozesse werden einfach digitalisiert

Viele Unternehmen versuchen, ihre bestehenden Abläufe möglichst genau in einer neuen Software abzubilden. Auf den ersten Blick wirkt das sinnvoll, schließlich haben die Prozesse bisher funktioniert.

Das Problem dabei: Diese Abläufe sind häufig über viele Jahre gewachsen.

Im Laufe der Zeit kommen zusätzliche Freigaben hinzu, Ausnahmen werden eingebaut, manuelle Zwischenschritte entstehen und Workarounds werden zur Gewohnheit. Oft waren diese Anpassungen zu einem bestimmten Zeitpunkt sinnvoll. Doch mit der Zeit hinterfragt niemand mehr, ob sie heute überhaupt noch benötigt werden.

Wird ein solcher Prozess nun einfach digital nachgebaut, entsteht kein besserer Prozess. Es entsteht lediglich ein digitaler Prozess mit denselben Schwächen. Die Komplexität bleibt bestehen. Sie wird nur in eine neue Software übertragen.

Deshalb sollte vor jeder Digitalisierung zunächst eine andere Frage gestellt werden:

Muss dieser Schritt überhaupt noch existieren?

Erst wenn bestehende Abläufe kritisch hinterfragt werden, entsteht echtes Optimierungspotenzial.

Unsere Erfahrung zeigt: Die besten Ergebnisse entstehen selten durch die reine Automatisierung bestehender Arbeitsschritte. Sie entstehen, wenn unnötige Schritte vollständig entfernt werden.

Denn manchmal ist die beste Automatisierung nicht, einen Prozess zu digitalisieren. Sondern ihn komplett abzuschaffen.

Fehler Nummer 3: Alles gleichzeitig verändern wollen

Ein weiterer häufiger Fehler: Unternehmen wollen zu viel auf einmal verändern.

Neue Software, neue Prozesse, neue Schnittstellen und neue Automatisierungen sollen gleichzeitig eingeführt werden.

Das Problem: Mit jeder zusätzlichen Veränderung steigt die Komplexität. Projekte werden schwerer steuerbar, Abhängigkeiten nehmen zu und Verzögerungen sind vorprogrammiert.

Erfolgreiche Digitalisierung funktioniert deshalb nicht als Großprojekt, sondern in klaren Etappen.

Statt alles auf einmal umzusetzen, sollten zunächst die größten Hebel identifiziert und Schritt für Schritt umgesetzt werden.

So entstehen schnelle Erfolge, messbare Ergebnisse und eine nachhaltige Transformation.

Fehler Nummer 4: Kein klares Ziel definieren

„Wir wollen digitaler werden.“

Das ist ein guter Vorsatz, aber kein konkretes Ziel.

Erfolgreiche Digitalisierungsprojekte benötigen klare und messbare Ergebnisse. Was soll nach dem Projekt besser sein als vorher?

  • Kürzere Bearbeitungszeiten?

  • Weniger Fehler?

  • Weniger manuelle Aufgaben?

  • Ein vollständig automatisierter Prozess?

Je konkreter das Ziel definiert ist, desto besser lässt sich später beurteilen, ob das Projekt erfolgreich war.

Denn wenn nicht klar ist, was erreicht werden soll, lässt sich am Ende auch nicht messen, welchen Mehrwert die Digitalisierung tatsächlich gebracht hat.

Deshalb definieren erfolgreiche Projekte frühzeitig klare Ziele, messbare Kennzahlen und realistische Erwartungen.

Fehler Nummer 5: Der Mensch wird vergessen

Digitalisierung wird oft als IT-Projekt betrachtet. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein Veränderungsprojekt.

Mangelnde organisatorische Einbindung und fehlende Akzeptanz sind zentrale Ursachen für das Scheitern von Transformationen. Mitarbeitende verstehen häufig nicht, warum sich Prozesse verändern sollen oder welchen Nutzen die neuen Werkzeuge bringen.

Wenn Beschäftigte neue Systeme als zusätzliche Belastung empfinden, entstehen Widerstände. Die Folge sind Parallelprozesse, Schatten-IT und geringe Nutzungsraten.

Lena am Computer

Was erfolgreiche Unternehmen anders machen

Die wenigen erfolgreichen Transformationsprojekte folgen häufig ähnlichen Prinzipien:

  • Klare strategische Ziele vor der Technologieauswahl

  • Visible Leadership durch das Top-Management

  • Konsequentes Change-Management

  • Frühzeitige Einbindung der Mitarbeitenden

  • Kontinuierliche Qualifizierung

  • Fokus auf messbare Geschäftsergebnisse statt technische Kennzahlen

Fazit

Die meisten Digitalisierungsprojekte scheitern nicht an der Software, sondern an den falschen Prioritäten.

Wer Prozesse ungeprüft digitalisiert, alles gleichzeitig verändern will oder ohne klares Ziel startet, macht sich den Erfolg unnötig schwer.

Erfolgreiche Digitalisierung beginnt deshalb nicht mit Technologie, sondern mit Transparenz.

Die entscheidende Frage lautet nicht:

„Welche Software brauchen wir?“

Sondern:

„Wie wollen wir in Zukunft arbeiten?“

Wer diese Frage zuerst beantwortet, schafft die Grundlage für nachhaltige Digitalisierung und messbare Ergebnisse.

Sie planen eine digitale Transformation oder möchten ein laufendes Projekt wieder auf Erfolgskurs bringen?

Vereinbaren Sie jetzt ein unverbindliches Erstgespräch.

Termin buchen

#Digitale Transformation#Digitalisierungsprojekte#Prozessanalyse Beratung#Unternehmensprozesse digitalisieren#digitale Prozessoptimierung#Prozesse optimieren